Am 29. August hat die Welt einen Mann verloren, der sein Dasein der Musik und Kultur verschrieben hatte. Jean-Pierre «Jay P.» Zureich lebte für Konzerte, Begegnungen und die unvergängliche Kraft der Klänge.
Ein Konzert ist verklungen, doch sein Nachhall bleibt. Am 29. August ging Jean-Pierre «Jay P.» Zureich von uns. Praktisch seit seiner Geburt am 23. Juni 1939 war Musik seine Triebfeder. Er hörte sie nicht nur, sondern atmete, lebte und gab sie in unzähligen Formen weiter.
Wer Jay P. begegnete, spürte sofort seine Hingabe. Schon als Kind zog ihn die Musik mit einer beinahe besessenen Kraft an. Er nahm vieles in Kauf, um ihr nahe zu sein, und trug diese Leidenschaft weiter bis in sein hohes Alter. Die Bühnen waren nicht nur Orte, an denen er auftrat oder Anlässe organisierte. Sie waren Begegnungsstätten, Räume, in denen er Menschen und Klänge zusammenführte. Wo gute Musik angekündigt war, da war auch Jay P. Kammgarn, Dolder2, die Kerze, unzählige Festivals und Bars – überall tauchte er auf, neugierig, aufmerksam, voller Freude.
Manchmal zeigte er seine Freude auf besondere Weise. Wenn eine Band ihn begeisterte, zückte er auch mal ein Nötli für eine zusätzliche Zugabe oder spendierte eine Runde Bier und machte so seine Anerkennung sichtbar. Nicht als Gönnergestus, sondern als ehrliche, unmittelbare Anerkennung. Er kaufte Alben, suchte das Gespräch, schenkte den Musikern sein Lächeln, seinen Charme, seine Begeisterung. Und wenn er einmal die Stirn runzelte, wenn er mit leiser Stimme ein Veto aussprach, dann war klar: Hier sprach ein Kenner. Jay P. hatte Musikgeschmack, und er war bereit, ihn zu verteidigen.
Die Szenen, die sich einprägten, sind zahlreich. Etwa im Juni 1989, als er zu seinem fünfzigsten Geburtstag die Kammgarn mit fünf Bands und allerlei Attraktionen füllte. Es war ein rauschendes Fest, das zugleich als Werbung für «Jay P.’s Party-Arrangement & Promotion Agency» diente. Auf der Bühne standen Yvonne Murbach mit den Bluesfingern, Over Easy, Andy Bossert, Dani Leu, George Portmann, die Augarte Buebe und Cheat. Schaffhausen erlebte eine Nacht, in der Jay P. seine Leidenschaft für Musik und Festkultur in voller Intensität entfalten konnte. Ein halbes Jahrhundert war Jay P. Grund genug, die Stadt in Feierlaune zu versetzen.
Auch jenseits der grossen Gesten war er präsent. Seit 2006 gehörte sein Besuch am Weihnachtsfest im Hofackerzentrum zum festen Bild. Dort schätzte er den Austausch und die entspannte Atmosphäre, die diese Tage für ihn besonders machten. Und auch in Momenten persönlicher Verletzlichkeit blieb er dankbar. 2012 schrieb er in einem Leserbrief, wie fürsorglich er während eines langen Genesungsprozesses betreut worden sei. Diese Unterstützung ermöglichte ihm eine Reise nach Australien, wo er nach Jahrzehnten erstmals seinen Bruder wiedersehen konnte, der 1963 ausgewandert war.
Sein Weg war in den letzten Monaten von gesundheitlichen Beschwerden geprägt, die ihn forderten. Doch Jay P. hielt unbeirrt daran fest, am Leben teilzunehmen. Ende Juni fand er den Weg an die Street Music Nights, wo er aufmerksam den Konzerten lauschte und sich sichtlich von der Stimmung tragen liess. Dieser Abend zeigte, wie sehr ihn die Musik immer wieder ins Leben zurückholte. Jenseits dieser Welt trifft Jay P. auf Bühnen, auf der die besten Blueser, Rock’n’Roller und Songwriter aller Zeiten spielen. Wir stellen uns vor, wie er sich in die erste Reihe setzt, die Augen glänzend, die Hände klatschend erhoben, bereit für das nächste Standing Ovation.
Sein Zuhause fand er zuletzt in Büsingen. Verbunden blieb er jedoch weit über diesen Ort hinaus, mit Menschen, mit Konzerten und mit der Kultur, die sein Leben prägte. Den Angehörigen und Weggefährten gilt in diesen Tagen unser tief empfundenes Beileid. Schaffhausen und seine Kultur verlieren eine Stimme, die so herzlich und unverwechselbar war, dass man sie noch lange hören wird.
Machs gut, Jay P., deine Reise geht weiter, denn die Musik wird dir wieder live begegnen.
Jay P. wurde am Dienstag, 9. September, auf dem Friedhof der St. Michael-Bergkirche in Büsingen am Hochrhein im engen Freundeskreis bestattet.